Lufthansa Streik: Pilotenstreik bis 8. März 2010 ausgesetzt – für Flüge mit Lufthansa gilt weiter Sonderflugplan

Lufthansa Streik: Pilotenstreik bis 8. März 2010 ausgesetzt – für Flüge mit Lufthansa gilt weiter Sonderflugplan

23. Februar 2010

Urlaubsreisen und Flüge mit Lufthansa und Germanwings: Passagiere müssen mit Flugausfälle und Verspätungen rechnen. Flugverkehr voraussichtlich am Freitag normalisiert. Weitere Informationen zum Werdegang. Lufthansa: Bis Freitag wieder bei hundert Prozent. Frankfurt/Main (dpa) – Die Lufthansa fliegt auch an diesem Dienstag weiter nach dem Sonderflugplan. Nachdem der Pilotenstreik am Montagabend ausgesetzt worden war, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im ZDF-«Morgenmagazin», Ziel sei es, dass das Netz spätestens bis Freitag wieder zu hundert Prozent zur Verfügung steht.

Zum aktuellen Flugplan
sagte Walther: «Wir werden auf den innerdeutschen “Rennstrecken” wie Frankfurt-München, Frankfurt-Berlin oder Frankfurt-Hamburg den einen oder anderen zusätzlichen Flug einrichten können. Aber bis das komplette Netzwerk wieder funktioniert, dauert es noch.»

Auch an diesem Dienstag müssen sich die Fluggäste in ganz Deutschland daher auf zahlreiche Flugausfälle und Verspätungen einrichten. Es dürfte wie bereits am Montag erneut etwa jeder zweite Flug der größten deutschen Fluglinie ausfallen. Auch Flüge der Tochter Germanwings und der Frachtsparte Cargo sind erneut betroffen. Am Abend hatten sich die Tarifparteien vor dem Frankfurter Arbeitsgericht auf einen Vergleich geeinigt. Der eigentlich bis Donnerstag geplante Streik wurde nach nur einem Tag bis zum 8. März ausgesetzt.


Pilotenstreik ausgesetzt – Ab Dienstag wieder Flüge

Frankfurt/Main (dpa) – Nach nur einem Tag wird der Pilotenstreik bei der Lufthansa ausgesetzt. Darauf einigten sich am Montagabend das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt. Der Flugverkehr sollte bereits am Dienstag wieder aufgenommen werden. Die VC verpflichtete sich, den Streik bis zum 8. März auszusetzen und ihre Piloten am Dienstag wieder zum Einsatz zu rufen. In Berlin begrüßte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Entscheidung.

Damit ist der von Unternehmen und Passagieren befürchtete größte Streik in der Geschichte der deutschen Luftfahrt vorerst abgewendet. Cockpit hatte Streiks bis Donnerstag angekündigt. Nach einem Sonderflugplan der Lufthansa wären ohne die Einigung bis dahin rund 3200 Flüge ausgefallen.

Dennoch werden sich Fluggäste auch am Dienstag auf Behinderungen und Flugausfälle einstellen müssen. «Klar ist, dass es bei weitem keinen normalen Flugbetrieb geben wird», sagte ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage. «Das ist unser Versuch, wieder ins Gespräch zu kommen», sagte der Vorsitzende der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm, zu der Aussetzung des Streiks.

«Jetzt sind die Tarifpartner gefordert, sich schnell an den Verhandlungstisch zu setzen und miteinander nach Ergebnissen zu suchen», sagte Ramsauer. Grundsätzlich hätten ihm sowohl die Lufhansa als auch die Vereinigung Cockpit signalisiert, dass sie zu Verhandlungen bereit seien, allerdings ohne Vorbedingungen. «Genau das sollte jetzt geschehen», sagte Ramsauer. «Eine Einigung wäre im Interesse der Flugreisenden und der deutschen Volkswirtschaft.»

Die Gewerkschaft hatte bei der von der Lufthansa angestrengten Gerichtsverhandlung zudem eine Forderung in Bezug auf die Lufthansa Italia fallengelassen. Die Lufthansa hätte nach Vorstellungen von Cockpit Millionen zahlen sollen, sobald ein Jet ihrer Tochtergesellschaft von einem Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags geflogen wird.

Nun soll ausschließlich über Entgelte und Arbeitsbedingungen der Piloten gesprochen werden. Die Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter hatte den Kompromiss vorgeschlagen, dass sich die Tarifpartner möglichst schnell und ohne Vorbehalte wieder an den Verhandlungstisch setzen sollten.

Der Vergleich gilt für die bestreikten Gesellschaften Lufthansa, die Lufthansa Cargo und Germanwings. Beide Seiten rechneten mit Anlaufschwierigkeiten beim Flugverkehr am Dienstag.  Der Billigflieger Germanwings teilte am Abend mit, dass das gesamte Flugprogramm erst am Freitag wieder aufgenommen werde. Bis dahin bleibe der Ersatzflugplan in Kraft.

Zuvor hatten die Lufthansa-Piloten am Montag große Teile des Flugverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Die Zahl der Flüge hat sich fast halbiert. Zehntausende Passagiere waren betroffen. Die VC hatte mehr als 4000 Piloten in den Ausstand gerufen.

Nach einer Auswertung der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa wurden am Montag zwischen 0.00 Uhr und 16.00 Uhr 1014 Flüge der Lufthansa im deutschen Luftraum gezählt. An einem vergleichbaren Montag, dem 8. Februar, seien dagegen in diesem Zeitraum 1947 Lufthansa-Flüge gezählt worden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte angekündigt, von Montag 0.00 Uhr bis einschließlich Donnerstag streiken zu wollen. Maschinen, die sich zu Streikbeginn noch im Ausland befanden, sollten aber noch zurückgeflogen werden. Die Regionalpartner der Lufthansa sind von dem Streik nicht betroffen. Die Lufthansa hatte einen Ersatzflugplan aufgestellt, der unter anderem mit Hilfe von Piloten aus dem Management etwa ein Drittel des Flugverkehrs aufrechterhalten soll. Die ebenfalls bestreikte Lufthansa-Tochter Germanwings teilte mit, trotz des Arbeitskampfes hätten drei Viertel aller Flüge stattgefunden. 120 von bundesweit 160 geplanten Flügen seien am ersten Streiktag ausgeführt worden.

Das befürchtete Chaos an den Flughäfen blieb am Montag allerdings aus. Passagiere wurden teils auf andere Fluggesellschaften oder bei innerdeutschen Strecken auf die Bahn umgebucht. Im Vergleich zu den üblichen 330 000 Fernverkehrs-Kunden am Tag sei die Zahl der Reisenden bei der Bahn aber «nur geringfügig höher» gewesen, teilte die Bahn in Berlin mit. In Abstimmung mit der Lufthansa wurden auf einigen Strecken Zusatzzüge eingesetzt oder die Platzkapazitäten erhöht.

[Arbeitsgericht]: Gutleutstraße 130, Frankfurt am Main

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